Mit 16 tritt sie in das syrisch-orthodoxe Kloster in Glane bei Losser in Holland ein, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie vor dem ewigen Gelübde die Möglichkeit zu Lehren und Studien erhält. In den folgenden Jahren lässt sie sich zur Krankenschwester, zur Psychotherapeutin und zur Seelsorgerin ausbilden, studiert Theologie und Geschichte, macht ihr Referendariat zur Gymnasiallehrerin und bereitet ihre Promotion vor. Als sie für einen Vortrag nach Indien eingeladen wird und dort mit Leid und Armut der untersten Schichten konfrontiert wird, beschließt sie spontan, dort zu bleiben und zu helfen. Die Sr. Hatune Foundation entsteht. Von Spendengeldern baut sie Häuser und Schulen, organisiert eine medizinische Grundversorgung und vermittelt Jugendliche in Jobs. Fortan lebt sie etwa das halbe Jahr in Indien.
Auf einer Veranstaltung im Frühjahr 2007 hört sie den Vortrag eines Journalisten über die Christenverfolgung im Irak. In einem Videofilm sieht sie, wie drei junge Männer exekutiert werden, weil sie an ihrem christlichen Glauben festhalten. Es ist wie 1915, denkt Hatune, wie beim Völkermord an den Christen in der Türkei. Es hält sie nicht länger auf ihrem Platz. „Nachdem wir das gesehen haben, können wir uns doch nicht wieder zu Hause auf die Couch setzen und weiterleben wie bisher!“, ruft sie, „Wir müssen etwas tun!“
Wenige Tage später bricht sie zu ihrer ersten Reise zu christlichen Flüchtlingen in den Nachbarländern des Iraks auf. Sie bereist erst Syrien, dann Jordanien, die Türkei und Ägypten. Sie trifft auf stark traumatisierte Mädchen und Frauen. Viele wurden entführt, entstellt, missbraucht und vergewaltigt. Andere mussten zusehen, wie ihre Männer und Kinder brutal ermordet wurden oder sie fanden deren zerstückelten Leichen. Sr. Hatune hört zu, tröstet, besorgt Nahrungsmittel, Medizin und gibt den Familien Geld für die Miete. Sie muss erfahren, dass die christlichen Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern ebenfalls unter Diskriminierung und Not leiden. Viele haben keine andere Wahl, als ihre Töchter zur Prostitution zu zwingen, um zu überleben. Sr. Hatune unterstützt diese Familien, damit die Mädchen sich nicht mehr verkaufen müssen.
Unermüdlich hilft, reist und engagiert sie sich. Dabei gerät Sr. Hatune vor allem mental an ihre eigenen Grenzen. „Ich bin wie eine Maschine“, sagt sie, „ich habe keine Tränen mehr.“
In den Medien wurde über Sr. Hatune und ihr Engagement für irakische Christen schon berichtet: Report München der ARD sendete im August 2008 einen Beitrag darüber. Doch das Thema der verfolgten Christen im Irak ist seit der Debatte um eine EU-weite Aufnahme von Flüchtlingen und den ersten in Deutschland eingetroffenen irakischen Flüchtlingen immer wieder von öffentlichem Interesse.


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