Nachdem ich 4 Monate in Indien war, war ich verzweifelt, weil ich nur noch 3000 € auf dem Konto für die Irakischen Flüchtlinge hatte. Daher habe ich Referate in Augsburg, Belgien und Holland gehalten und Anrufe nach London und Irland getätigt. Die drei Syrisch-orthodoxen Gemeinden in Belgien haben mir ihre Osterkollekten über 4000 € überreicht. In Augsburg habe ich bei den Bayrischen Pfadfindern ein Referat gehalten. In Holland hat meine Freundin Samira Geld organisiert. Trotzdem reichte der Betrag vorne und hinten nicht, da es den Irakischen Flüchtlingsfamilien noch schlechter geht als letztes Jahr. Unsere Stiftung hat die gesamte Verantwortung für 220 Familien. Insgesamt konnte ich bei dieser Reise durch die Hilfe der Gläubigen 2300 Familien unterstützen und anschließend in Ägypten noch einmal 1300 Familien sowie 7 Bräuten die Aussteuer ermöglichen.
Bevor ich losfliege habe ich den lokalen Hilfsvereinen mitgeteilt, wann und wo ich ankomme und wie viel Zeit ich habe. Sie haben dann vor Ort alles organisiert und ich habe mich dann persönlich um die Verteilung der Hilfsgüter gekümmert. Ohne meine Teams in den einzelnen Ländern wäre diese Organisation nicht möglich gewesen.
So begann die Reise am 13. April in Istanbul. Ich wurde von meinem Verein auf dem Flughafen empfangen. Zuerst bin ich zum irakischen Flüchtlingsbüro gefahren und habe dort meine Schulden bezahlt. An Weihnachten war ich in Indien. Kurz davor habe ich erfahren, dass die irakischen Flüchtlinge an Heiligabend nichts zu essen haben. Daher hat sich mein Team in Istanbul vom dortigen Priester Geld geliehen, um die Familien an Weihnachten zu versorgen. Dieses Geld und weitere Unterstützung für
die kommenden vier Monate habe ich jetzt dort abgeliefert. Außerdem habe ich neue Kleider und T-Shirts verteilt.
Anschließend bin ich mit meinem Team zu den Familien gegangen, um mir ihre Lebensgeschichten anzuhören. Bis zur Mitte des Monats April waren schon 18 Familien neu dazugekommen. Diese und viele andere habe ich besucht.
Am nächsten Tag bin ich mit dem Nachtflug nach Damaskus geflogen. Dort hat mich mein Team zu einem Hotel gebracht, wo mir der Besitzer eine hohe Geldsumme versprochen hatte, aber es waren leider nur 300 $. In der Erwartung einer höheren Geldsumme war ich in Istanbul zu großzügig mit meinen Spendengeldern umgegangen, so dass ich jetzt ziemlich enttäuscht war. Um 9 Uhr morgens kam ich an und um 11 Uhr haben wir angefangen, Nahrungssäcke zu verteilen. Diese hatte mein
Team schon vor Ort vorbereitet.
Nahrungssäcke verteilen in Damaskus
Mit über 60 Familien habe ich Interviews geführt. Abends bin ich dann nach Jordanien gefahren und um 1 Uhr nachts in Amman angekommen. Dort habe ich am nächsten Tag Miete und den Lebensmittelbedarf für einen Monat an Flüchtlinge verteilt, die sonst keinen Ausweg mehr sehen. Auch dort hat das jordanische Team wieder alles für mich organisiert, so dass innerhalb von 2 Stunden über 200 Familien versorgt werden konnten. Anschließend habe ich mit Hanna Familien besucht, um die Lage der Flüchtlinge besser kennenzulernen. Das Leben dort ist sehr teuer, und sie werden von den jordanischen Behörden und der UNO schlecht behandelt, da die Mitarbeiter keine
Christen sind. Sie wollen daher unbedingt ins Ausland, um dort ein sicheres Leben führen zu können.
Miete und Unterhaltszahlungen in Jordanien
Am nächsten Tag habe ich bis ein Uhr mittags Mädchen interviewt und bin dann über Syrien nachts 14 Stunden in den Libanon gefahren. Dort haben wir über 200 Nahrungssäcke und einzelne Geldbeträge für Mieten sowie spezielle
Nahrungssäcke verteilen im Libanon
Da ich hier keine Zeit hatte, Familien zu besuchen, bin ich am nächsten Tag nach Hasacke und anschließend nach Kameschlo in Syrien an der Grenze zur
Türkei gefahren. Dort habe ich mit zwei Teams Nahrungssäcke für über 300 Familien verteilt und auch einzelne Familien besucht und unterstützt.
Über die Türkei bin ich am nächsten Tag in den Nordirak nach Ninive gefahren. An der Grenze hatten mich 17 Mitarbeiter abgeholt. Diese hatten über 400 Nahrungssäcke vorbereitet, die wir dann an Inlandsflüchtlinge im Nordirak mit Jeeps verteilt haben.
In den Dörfern haben wir keine Gefahr gespürt. Nur als ich Flüchtlingsfamilien in Mossul besuchen wollte hat man mir an einem Checkpoint von der Weiterreise abgeraten, wenn ich nicht getötet werden will. Stattdessen haben wir ein Waisenhaus mit Kindern besucht, die ihre Eltern im Krieg verloren hatten. Dort haben wir 10 Nahrungssäcke verteilt. In einem Kloster in der Nähe haben wir dann ein paar Stunden ausgeruht und uns von den Strapazen der letzten Tage erholt.
Über die Osttürkei bin ich dann nach Aleppo gefahren, wo wir für über 300 Familien Nahrungssäcke verteilt haben. In der Nacht bin ich wieder nach Damaskus gefahren,
wo ich Familien und Mädchen besucht und interviewt habe.
Nahrungssäcke verteilen in Aleppo
In Damaskus habe ich auch den Syrisch-orthodoxen Patriarchen Moran Mor Ignatius Zakka I besucht.
Am 29.04. bin ich von Damaskus nach Kairo geflogen. Für das Müllviertel und für
Oberägypten hatte ich Spendengelder erhalten. Mein Team vom Al Mukkattam hatte mich vom Flughafen abgeholt. An über 300 Familien im Müllviertel haben wir Geld und Nahrung verteilt. Für das dortige Krankenhaus hatte mein Team in Dubai 15500 $ gespendet, damit die dortigen Menschen umsonst behandelt werden können. Für 5 Bräute haben wir das Geld für die Aussteuer besorgt.
Jede arme Βraut braucht 500 € Aussteuer, um heiraten zu können. Unsere Stiftung versucht ein Projekt zu starten, um im Jahr 50 Bräuten die Heirat zu ermöglichen.
Wir wollen den Kindern im Müllviertel durch Bildung Chancen im Leben ermöglichen
60000 Christen werden im Müll geboren und sterben im Müll. 95 % dieser Menschen haben Lungen-und Hautprobleme. Ich persönlich war 2 Stunden im Müllviertel und habe einen Hautauschlag bekommen. Für die Kinder dieser Menschen wollen wir ein neues Projekt starten. Sie brauchen dringend Schulmaterial: Stifte, Hefte, Bücher, Schuluniformen. In den meisten Familien können nur 2 Kinder zur Schule zu gehen, die andern bleiben Analphabeten. Um ihnen einen Schuljahr zu ermöglichen benötigen wir 120 €. Geben sie den Kindern eine Chance im Leben, die sie nur durch Bildung erreichen können!
Von Kairo bin ich 7 Stunden nach Al Qusya in Oberägypten gefahren. Dort leben die Menschen zwar nicht im Müll, aber sie leben mit den Tieren zusammen in Häusern auf dem nackten Lehmboden. Dort habe ich Farbe gekauft und damit die staubigen, stinkenden Wände bemalt. Zwei Mädchen haben wir bei der Aussteuer geholfen. Für
über 300 Familien habe ich Hygiene Sets (Seife, Zahnbürste, Putzmittel, Mop, …) besorgt und den Familien gezeigt, wie man sie richtig benutzt. Außerdem haben sie noch Bananen und Fleisch von uns bekommen. Von dort bin ich 10 Stunden nach Al Hammadia gefahren, wo an Weihnachten Moslems nach dem Kirchenbesuch 6 Christen zwischen 17-21 Jahren erschossen wurden. Ich habe mich mit den Eltern der Ermordeten unterhalten. Sie haben Angst um ihr Leben. Vom Staat haben sie keinerlei Entschädigung für die Morde erhalten, währenddessen die Familie eines „aus Versehen“ getöteten Moslems Geld bekam. Im dortigen Sozialbüro habe ich noch Geld abgegeben, was in meiner Anwesenheit verteilt wurde.
In Kairo habe ich Papst Shenouda III besucht.
Das Team in Oberägypten Verteilen der Nahrungssäcke
Am selben Tag bin ich nach einer zehnstündigen Nachtfahrt wieder nach Kairo zurückgekommen. Um zum Flughafen zu kommen, musste ich dreimal das Taxi wechseln. Wegen der Aschewolke musste ich mir ein neues Ticket besorgen und bin dann nach Frankfurt statt nach Hannover geflogen, um dann am nächsten Tag zum
2. Ökumenischen Kirchentag nach München zu fahren.
Ich appeliere an alle Menschen, die ein Herz für die Armen haben, unsere Stiftungsprojekte zu unterstützen und ich lade jeden ein, unsere Arbeit vor Ort mitzuerleben.
Ich bedanke mich im Namen der Ärmsten der Armen, die unsere Stiftung bisher finanziell geholfen haben.


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Schwester Hatune