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Sonntag, 05.09.2010
Bericht über die Lage der irakischen Flüchtlinge in der Türkei und Syrien
23.08.2009

Zwei Tage nachdem ich aus Ägypten wiedergekommen bin, flog ich am 23.08.09 nach Istanbul. Dort habe ich die Kleiderkammer für die irakischen Flüchtlinge besucht. Ich habe ihnen neue Kleider aus Deutschland und finanzielle Unterstützung für 320 irakische Flüchtlingsfamilien überbracht. Vor mir war schon eine Gruppe aus Deutschland mit einer Kleiderspende dort, daher habe ich die meisten Kleider weiter mit nach Syrien genommen. Ich bekam dort die Information, dass nach meinem letzten Besuch im Irak 86 christliche Flüchtlingsfamilien aus Mossul und Bagdad nach Istanbul gekommen waren. Der Grund für ihre Flucht war die Zerstörung ihrer Gotteshäuser und Morddrohungen von militanten Fanatikern.

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Als ich In der Kleiderkammer Information über die aktuelle Lage der Flüchtlinge in Istanbul sammelte, kamen vier Familien, um Kleider abzuholen. Nachdem sie sich Kleider abgeholt hatten, fragte ich sie, warum sie aus dem Irak geflohen seien, obwohl es dort doch angeblich so ruhig sei. Plötzlich ging ihre Stimme hoch und sie sagten: „Wer verlässt seine Heimat schon freiwillig? In Mossul beschützt uns keiner. Jeden Tag haben wir Schikanen erleiden müssen. Das Höllenfeuer, was vorher war, ist noch nicht gelöscht und brennt noch immer. Seit die Amerikaner aus den Großstädten ausgezogen sind, ist es noch schlimmer geworden. Keiner traut sich zur Arbeit zu gehen, selbst wenn es Arbeit gibt. Wir sind in unseren Häusern eingesperrt und wissen nicht mehr, ob wir morgen noch leben werden. Jeden Tag wird an unsere Wände geschrieben: Ihr müsst Moslems werden. Diese Angst machte uns allmählich verrückt. Daher haben wir unsere Gefängnisse abgeschlossen und sind nach Istanbul geflohen. Morddrohungsbriefe sind Alltag.“

Eine andere Frau sagte mir: „Schwester, sie waren doch auch dort und haben es selber gesehen.“ Als ich im Juni im Irak war, bin ich nicht an diesen gefährlichen Orten gewesen. Nach meinen Eindrücken war es in der Gegend um Mossul relativ ruhig. Die Frau sagte: „Schwester, sie waren nur 14 Tage dort. Wenn man in dieser Gegend länger lebt, lernt man die Realität besser kennen.“ Sie haben Kleider für ihre Kinder gesammelt und die Kleiderkammer verlassen. Eine Minute später kam eine strahlende Frau und fragte den Mitarbeiter dort, ob er eine positive Nachricht über ihre Ausreise hätte. Er antworte, dass ihre Ausreise nach Kanada leider abgelehnt wurde. Die Tränen dieser Frau flossen bis zu den Füßen und sie schrie: „Wie lange müssen wir uns noch quälen? Seit zwei Jahren sitzen wir hier schon fest und keine Tür geht auf. Die türkische Regierung hilft uns nicht, niemand hilft uns. Wovon sollen wir leben? Ich weiß keinen Ausweg mehr.“ Wir haben versucht, sie ein wenig finanziell zu unterstützen und sind mit ihr nach Hause gegangen.

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Sie hat drei Kinder, die seit zwei Jahren keine Schule besuchen. Arbeit findet die Frau nicht. Sie müssen für Miete und Lebensmittel bezahlen. Unterwegs erzählte mir die Frau, dass sie aufgrund dieser dramatischen Lage kurz vor dem Selbstmord stünden.

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Am nächsten Tag bin ich in den Südosten der Türkei geflogen und über die Grenze nach Syrien gefahren. Ich hatte davor alle Teams in Syrien (Aleppo, Damaskus, Kameshli, Haseki), Jordanien und dem Libanon benachrichtigt, um Nahrungssäcke vorzubereiten, da meine Zeit sehr knapp bemessen war. In Kameshli und Haseki habe ich persönlich Nahrungssäcke eigenhändig an 375 christliche Flüchtlingsfamilien aus dem Irak verteilt. In den anderen Städten haben das meine Mitarbeiter für mich erledigt.

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So konnten wir insgesamt auf dieser Reise 1130 Familien unterstützen. Ich bedanke mich im Namen der irakischen Flüchtlingsfamilien bei unseren großzügigen Spendern aus London und Irland. Einen besonderen Dank gilt meinen Mitarbeitern Miriam Beattie und Wilfred Wong und allen anderen, die ihren Anteil an diesem Projekt beigetragen haben.

Die Schwester Hatune-Stiftung versucht diesen Flüchtlingsfamilien sowohl finanziell als auch seelsorgerisch/therapeutisch in dieser extremen Notlage beizustehen.

Unterstützen sie unsere Stiftung auch weiterhin, damit wir eigenhändig diesen Ärmsten der Armen beistehen können.

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