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Helfende Hände für die Armen e.V.
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Sonntag, 05.09.2010
Bericht über meine Reise in den Nahen Osten vom 28.10.- 2009
28.10.2009

Am 28. Oktober bin ich von Düsseldorf über Istanbul nach Damaskus geflogen, wo ich um 3.50 in der Frühe angekommen bin. Ab 9 Uhr morgens hat unser Team dann angefangen, an 150 Familien Nahrungssäcke im Wert von 1500 SL zu verteilen.

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Nahrungssäcke verteilen in Damaskus / Unser Team in Damaskus

Am selben Tag ging es um 19 Uhr nach Jordanien, wo wir erst spät in der Nacht ankamen. Am nächsten Tag haben wir mit Hilfe des chaldäischen und armenischen Diakons sowie dem syrisch-orthodoxen Priester Vater Amanuel Issa Albanna in Aman 50 Familien finanziell und mit Lebensmittel unterstützt.

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Unser Team in Jordanien / Da es in Jordanien schwierig ist, Lebensmittel zu verteilen, geben wir Geld aus für Miete und Nahrung

Am selben Tag, dem 30.10.2009 ging es in Begleitung von Gabi Bisso in den Libanon. Er kommt ursprünglich aus Miden (Südosttürkei), ist aber in Jordanien geboren. Nach dem Völkermord der Türken an den Christen 1914 sind seine Vorfahren nach Jordanien geflüchtet. Seine Muttersprache hat er aber nicht verloren. Er spricht syrisch-aramäisch. Daher war er mir eine große Hilfe, weil diesmal mich jemand auf meiner Reise begleitet hat, mit dem ich mich in meiner Muttersprache Aramäisch unterhalten konnte. Im Libanon haben wir von der Kirche Mor Yakub von Sarug aus am 31. Oktober an 220 Familien Nahrung und Waschmittelsäcke verteilt.

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Nahrungssäcke verteilen im Libanon

In derselben Nacht sind Gabi und ich ins syrische Allepo gefahren, um dort 125 Familien zu unterstützen.

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Unser Team in Allepo / Nahrungsverteilung in Allepo

Im Anschluss sind wir um 22 Uhr direkt von Allepo nach Kameslo gefahren und haben dort übernachtet. Am Morgen des 1. Novembers haben wir ein paar der ärmsten Familien besucht und unterstützt.

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Besuch bei den armen Familien in Kameslo

Mittags sind wir über die Grenze in die Türkei gefahren und haben ein paar Familien in der Südosttürkei geholfen. Da es die Heimat von Gabi und von mir ist, haben wir an zwei Tagen im Tur Abdin die Klöster und seine Verwandten in Miden besucht. Er hat sich sehr gefreut, sie wiederzusehen. Wir haben im Kloster Dayrulzafaran übernachtet. Scheinbar herrscht in der Region Ruhe. Nun wollen einige Christen die Hoffnung, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. Dagegen wehren sie die moslemischen Kurden, indem sie die verbliebenen Christen finanziell unterdrücken.

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Besuch in der verlorengegangen Heimat

Am 3. November sind wir am Morgen wieder zurück aus der Türkei nach Kameslo und Hasacke gefahren. Am Abend erreichte unser Team mit dem Bus Damaskus. Dort hatten wir am 5. November eine Teambesprechung über unsere weitere Arbeit. Um 17 Uhr bin ich von Damaskus nach Kairo
geflogen. Ich wurde von unserem Team aus dem Müllviertel El Mukkatam sowie Raid und seinen Freunden abgeholt.

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Unser Team im Müllviertel El Mukkatam

Der Gestank des Mülls war vom August noch in meiner Nase. Er ist jetzt glücklicherweise ein wenig gedämpft, da es nicht mehr so heiß ist, aber der Gestank des Müllviertels ist immer noch da. Am nächsten Morgen hatte das Team meiner Stiftung „Helfende Hände für die Armen“ schon alles nach meinen Anweisungen vorbereitet. An 400 Familien haben wir am 6. November Nahrungssäcke verteilt. Da aber die Zeit für alle armen Familien nicht reichte, verteilten wir auch am nächsten Tag noch Nahrungssäcke. Um 17 Uhr des 7. Novembers bin ich dann nach Anaphora ins Wadi Natrum gefahren, um mich im dortigen Exertitienhaus der koptischen Kirche von den Strapazen der ersten Reisewoche zu erholen. Ich konnte dort in der Wüste wieder frei durchatmen und eine komplette Nacht durchschlafen, was bisher nicht möglich gewesen war, da unser Team bis dahin immer nachts unterwegs war. Wie im März dieses Jahres habe ich in den ersten 10 Tagen der Reise nur etwa 4 Stunden geschlafen.

Am 9. November habe ich in Oberägypten 200 Familien mit Putzsachen helfen können, die sie sich selber nicht kaufen können, um ihre Häuser putzen zu können. Dort habe ich erfahren, dass dort auch die christlichen Mädchen entführt und ihre Organe für horrende Summen in arabische Länder verkauft werden. Es gibt keine Woche, wo nicht christliche Mädchen missbraucht und entführt werden. In Oberägypten gibt es ein Bistum, welches 44 Priester und Gemeinden, aber nur 16 Kirchen haben. Die Christen dürfen auf ihren eigenen Ländereien keine Kirchen bauen, aber jeden Tag darf dort eine neue Moschee entstehen. Jede alte Kirche bekam an ihre Seite eine neue Moschee. Wenn diese Kirche verfällt darf sie nicht renoviert werden, da die heruntergefallenen Steine auf dem Gebiet der neuen Moschee liegen. Die Unterdrückung der Christen in Ägypten ist subversiver als in anderen moslemischen Ländern, da die Menschen trotz eines hohen Bevölkerungsanteils (16 von 75 Millionen sind Christen) Angst haben, offen über ihre Verfolgung zu sprechen.

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Unser Team in Oberägypten / Oberägyptisches Wohnhaus

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Sr. Hatune demonstriert dem Team in Oberägypten die Verwendung von Putzzeug

Am Abend des 11. Novembers war es mir möglich, den Segen des Patriarchen Papa Shinouda III. zu bekommen. Von Kairo aus ging es im Nachtflug wieder zurück nach Istanbul, wo ich am morgen des 12. Novembers um 6.30 angekommen bin.

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In der Kleiderkammer der irakischen Flüchtlinge in Istanbul

Dort habe ich viele Flüchtlingsfamilien aus dem Irak besucht. Ihre Lage wird insgesamt schlechter, je mehr Flüchtlinge ankommen, weil die Geldreserven, die sie mitgebracht haben, langsam knapp werden. 350 christliche Familien leben derzeit in Istanbul, von denen kaum einer der türkischen Sprache mächtig ist. Allein im Oktober sind 50 Familien in Istanbul eingetroffen. Nach der Flucht werden ihre Häuser von den militanten Moslems zur Versteigerung freigegeben. Am Sonntag, den 8. November ist die Kirche St. Paulus und ein Wohnhaus in Mossul von 3 Bomben zerstört worden.

Viele Länder geben keine Visa mehr für die Iraker aus, bis auf den Libanon, wo die Lebenshaltungskosten aber sehr teuer sind. Aber um das Leben ihrer Kinder zu retten, verzichten diese Menschen auf alles und flüchten. Allein im letzten Monat waren es 200 syrisch-orthodoxe Familien. Fast das gesamte Dorf Bartelle in der Nähe von Mossul, in welchem fast ausschließlich syrisch-orthodoxe Christen lebten, ist geflüchtet, weil es fanatische islamische Gruppierungen auf sie abgesehen hatten. Sie beobachten ihre Kinder und entführen sie vor den Augen ihrer Eltern und fordern hohe Summen an Lösegeld. Wenn das Geld nicht reichen sollte, wird das Kind in Stücken zerkleinert vor die Tür gelegt.

Eine Frau erzählte mir, dass ihr Schwager vor zwei Wochen an seinem 24. Geburtstag bestialisch getötet wurde. Wir haben als Christen im Irak überhaupt keinen Schutz, nicht unter den Kurden, aber auch nicht unter den Arabern. Die Christen sollten in Niniveplan bleiben, hieß es einmal. Dort aber versuchen die Kurden das Land von den Arabern und den Christen zu bekommen, damit sie es für sich alleine beanspruchen können. Tag täglich bekommen die Christen Morddrohungen. Sie sollen sich zum Islam bekehren oder aus dem Land flüchten, andernfalls werden sie umgebracht. Ich bitte alle europäischen und amerikanischen Politiker um Hilfe, um diese irakischen Christen zu beschützen, damit sie in ihrem eigenen Land leben können und nicht flüchten müssen. Wenn das nicht möglich ist und die Flüchtlinge keiner beschützen kann, müssen sie schnell in ein Land gebracht werden, wo sie in Frieden als Christen leben können, egal wo das sein wird. Es sind Menschen, die ebensolche Menschenrechte wie wir auch haben. Daher dürfen sie nicht von den elementarsten Rechten abgeschnitten werden, in dem wir sie zwischen diesen Barbaren leben lassen. Sie töten die Christen im Namen Allahs und sie meinen, dass sie damit etwas Gutes getan haben. Sie verhöhnen damit einen Gott, der uns Menschen erschaffen hat und alleine das Recht auf Leben und Tod hat. Damit erkennen diese militanten Fanatiker diese göttliche Regel nicht an. Warum töten sie die Christen im Namen Allahs und rufen dabei „Allah U Akbar“ (Gott ist groß)?

Dazu kommt noch, dass sie die Mädchen entführen, vergewaltigen, entstellen, belästigen, usw. Es gibt kein Gesetz und keinen Richter, der ihnen helfen könnte. Die Lage im Irak ist chaotisch und Allmaliki lügt, wenn er sagt, ich brauche die Christen in meinem Land zum Wiederaufbau. Wenn Allmaliki dies sagt, dann muss er sie auch beschützen, damit sie überhaupt nicht flüchten zu brauchen. Meiner Meinung nach wird sich bis zu den Wahlen im Irak im Januar und auch später nichts an der Instabilität des Iraks ändern. Trotz allem habe ich die Hoffnung, dass alle Menschen im Irak wieder ein normales Leben führen könne. Die Christen sollten wieder zurück in den Irak gehen, um sich dort am Aufbau des Landes zu beteiligen, um dort eines Tages friedlich leben zu können.

Der Dank gilt Sr. Hatune für ihren unermüdlichen Einsatz für die irakischen Flüchtlinge. Sie hat ein besonderes Verständnis für die Lage dieser Menschen, da sie selbst in der Türkei als Jugendliche verfolgt wurde und mit ihrer gesamten Familie flüchten musste, aus denselben Gründen wie jetzt die Iraker. Ihre Großeltern waren 1914 ebenfalls Flüchtlinge während des Völkermords der Türken und Kurden an den Christen. Die Christen erleben heute fast das gleiche Schicksal, nur stillschweigend. Niemand nennt dies einen Völkermord, aber wieder werden Christen geschächtet, geschlachtet, getötet, entführt, vergewaltigt, entstellt, beraubt und verfolgt. Die Flüchtlinge haben oft keinen Schutz und wissen nicht, wo sie hingehen sollen. Niemand will sie aufnehmen in den Nachbarländern. Sie werden auch hier benachteiligt und haben keine Rechte. Auch wenn die christlichen Flüchtlinge von Einheimischen belästigt und vergewaltigt werden, können sie nicht zur Polizei gehen, weil sie hier rechtlos als Illegale leben müssen. Das Leben in den Nachbarländern kann für die Flüchtlinge daher keine Lösung sein, da die Lebenshaltungskosten dort außerdem sehr hoch sind.

Sr. Hatune hat noch viele Geschichten über diese Flüchtlinge aus dem Irak zu erzählen, aber was erreicht man, wenn man kein Gehör in der Öffentlichkeit über diese dramatischen Entwicklungen findet und ohne das jetzt endlich gehandelt wird? Wie lange will man die Christen in dieser Lage denn noch alleine lassen?

Ich konnte die Tränen und die Aufregung eines jungen Mädchens verstehen. Ihre Schwester ist vor 2 Wochen Witwe geworden und sie musste sie zusammen mit zwei kleinen Kindern im Irak zurücklassen.

Europas Pflicht ist es, etwas zum Schutz dieser Menschen zu unternehmen. Die christlichen Flüchtlinge brauchen dringend weitere Unterstützung, sowohl im Irak, als auch in den Nachbarländern.

Ich bedanke mich im Namen der irakischen Flüchtlinge in allen Ländern, die ich besucht habe für die großzügige Spende durch Miryam Beattie aus Irland und Wilfred Wong aus London, der Evangelischen Landeskirche Westfalen in Bielefeld, der Gemeinde Memmingen und allen anderen kleinen oder großen Spenden, die bei mir angekommen waren. Durch ihre Spende konnten wir allein in fünf Ländern, die ich besucht habe, über 2000 Familien unterstützen.

Danke!!!!!!!!!!!!!!!

Sr. Hatune Dogan,

Leiterin der Stiftung „Helfende Hände für die Armen